Gebrauchtwagenkauf – So geht es richtig

Vorne Fabia, hingen Hochdachkombi: Der Skoda Roomster geht beim Design einen gewagten Weg. Und der Test zeigt: Unter der originellen Schale steckt ein praktischer Kern, aber auch launische Technik.

Auch wenn er aussieht wie ein Hochdach-Kombi à la Renault Kangoo: Der Mini-Van Skoda Roomster ist kein Nutzfahrzeug, sondern ein Pkw. Allerdings ein besonders nützlicher. Beim TÜV allerdings zeigt er Schwächen.

Karosserie und Innenraum

Dass der Roomster mit dem Skoda Fabia verwandt ist, sieht man ihm an der Nasenspitze an. Denn bis zur B-Säule gleicht er dem beliebten Kleinwagen der Marke fast exakt. Dahinter schließt sich – optisch bewusst nicht ganz bündig – ein geräumiger Kasten nach Art eines Kleintransporters an, der immens viel Platz für Passagiere und Gepäck bietet. Auf nur 4,21 Metern Länge bietet der Roomster mehr Raum für Einkäufe und Reisekoffer als der gewiss nicht kleine Octavia Combi. Größter Pluspunkt ist aber seine Variabilität: Die Rücksitze lassen sich verschieben, hochklappen, zusammenrücken oder gleich komplett ausbauen. Im Innenraum findet sich die typische, durchdachte Cockpit-Architektur der Marke wieder. Die Materialien sind vor allem in den Basisversionen eher einfach, aber gut verarbeitet.

Motoren

Hinter der großen Hecktür verbirgt sich viel Stauraum.

Hinter der großen Hecktür verbirgt sich viel Stauraum.

Bei den Motoren bedient sich der Roomster aus dem gut gefüllten VW-Konzernregal. Seit der Einführung waren 14 unterschiedliche Triebwerke im Leistungsband von 64 PS bis 105 PS im Programm. Wer es nicht allein auf maximale Sparsamkeit anlegt, lässt dabei die Dreizylinder-Diesel und -Benziner außer Acht. Bessere Fahrleistungen und nicht viel höhere Verbräuche bieten die Vierzylinder, vor allem die stärksten Versionen. Unter den Benzinern ist der seit 2010 angebotene 1,2-Liter-Turbo (TSI) mit 105 PS eine gute Wahl, bei den Dieseln der gleich starke 1,6-Liter-Motor. Beide Triebwerk kitzeln zudem den im straffen und handlichen Skoda durchaus vorhandenen Fahrspaß heraus. Wer ungern selbst schaltet, kann zudem den 1,2-Liter-TSI auch mit Doppelkupplungsgetriebe bekommen.

Ausstattung und Sicherheit

Das Cockpit ist nüchtern gehalten.

Das Cockpit ist nüchtern gehalten.

Weil Skoda sich als preiswerte Alternative zu VW gibt, sind die Basismodelle häufig mager ausgestattet, um einen werbewirksamen Preis zu erzielen. Das gilt auch für den Roomster, der erst ab der zweiten Ausstattungslinie „Ambition“ mit sinnvollen Extras wie Klimaanlage und CD-Radio aufwartet. Eher verzichten kann man hingegen auf die Top-Version „Elegance“, die schicke Leichtmetallräder, Lederlenkrad und Tempomat bietet. Generell ist die Optionsliste aber eher kurz: An besonderen Posten führt sie etwa noch ein Panorama-Glasdach, Klimaautomatik und Teillederpolster auf. An Sicherheitsausstattung sind immer sechs Airbags und der Schleuderschutz ESP an Bord. Beim EuroNCAP-Crashtest erzielte der Tscheche 2006 die Höchstwertung von fünf Sternen.

Qualität

Bei der Probefahrt mit dem Roomster sollte man vor allem die Ohren offen halten, denn der Mini-Van leidet chronisch unter ausgeschlagenen Radaufhängungen. Auch die aufwändige Sitzanlage hat manchmal zu viel Spiel und lässt das während der Fahrt hören. Der TÜV bemängelt das sogar schon bei erst vier Jahre alten Fahrzeugen. Auch Ölverlust ist häufig ein Thema. Hinzu kommen einige lässliche Probleme, die aber bei der Inaugenscheinnahme beachtet werden sollten. Etwa die häufig rostenden Stellen unter den Gummis der hinteren Türen oder der gelegentlich ruckelnde Motor. Letzteres lässt sich aber durch ein Update der Motorsteuerungs-Software beim Händler beheben. Insgesamt gilt auch für den Skoda das, was für alle preiswerten und praktischen Autos gilt: Entscheidend ist, ob der Vorbesitzer ihn als Arbeitstier ausgebeutet oder eher sanft behandelt hat.

Fazit

Das Argument mit der bewährten VW-Technik zum Skoda-Preis zieht beim Roomster nur bedingt. Zwar ist er in Anbetracht des riesigen Platzangebotes schon als Neuwagen vergleichsweise günstig, bezahlt das aber auch mit Schwächen beim Standvermögen. Wer ein gut gepflegtes und gewartetes Exemplar findet, sollte trotzdem zugreifen, denn auch die Konkurrenz in dieser Klasse ist nicht fehlerfrei. Die Preise starten bei rund 4000 Euro.

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